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Garden: Vom Kopf her muss ich das bejahen und versuche, wenn ich die Leere spüre, sie als Notwendigkeit zu sehen. Um besser damit klar zu kommen, habe ich viel Theoretisches dazu gelesen und in der Kreativitätsforschung folgendes Phasenmodell gefunden: Die Vorbereitung, in der gesammelt wird, dann die Inkubationsphase, die mit einer Verpuppung oder Schwangerschaft verglichen wird. Danach die Illumination und schließlich die Realisation. Diese Phase der Verpuppung, das ist für mich die schwierigste, ich erlebe sie als Stagnation.

Aber das eine kann ohne das andere nicht existieren. Ich brauche die Anregung, was auch der Grund für häufige Reisen oder Ortsveränderungen ist, aber ich benötige auch die Ruhe für diese Integrations- und Verpuppungsphase, um dann kreativ arbeiten zu können.

Chisholm: Kreativität kann also manchmal ein schmerzhafter Prozess sein.

Garden: Ja, das trifft zu. Tröstlich war mir da ein interessanter Gedankengang - ich glaube er war in dem Katalog zu der Sam-Francis-Ausstellung in der Bonner Kunsthalle. Pontus Hultén hat dort formuliert, dass sich der Künstler, um etwas Neues zu schaffen, in eine Situation versetzen müsse, in der die Kräfte des Chaos wirken können.

Chisholm: "Die Kräfte des Chaos", das ist interessant. Tàpies versucht, sich in einen bestimmten mentalen Zustand zu versetzen, indem er rhythmische Bewegungen macht. Francis Bacon bekannte sich zum Alkohol. Meinst Du, dass es für den kreativen Prozess notwendig ist, sich vom normalen Leben abzusetzen, sei es über Meditation, Alkohol oder Drogen?

 

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